Differentialdiagnose in der HPP-Praxis

Differentialdiagnose in der HPP-Praxis

 

Differentialdiagnose ist nicht das was viele denken – eine lange Liste von Erkrankungen die man auswendig kennt. Es ist eine Haltung. Eine Art zu denken. Und es ist das Herzstück der HPP-Prüfung.


Was Differentialdiagnose im HPP-Alltag bedeutet

Wenn ein Patient kommt, stelle ich mir immer drei Fragen:

  1. Was könnte das sein? – Alle plausiblen Erklärungen sammeln
  2. Was spricht dafür, was dagegen? – Die Wahrscheinlichkeiten abwägen
  3. Was darf ich übersehen? – Die gefährlichen Diagnosen zuerst ausschließen

Die dritte Frage ist die wichtigste. Als HPP muss ich wissen wann ich nicht behandle. Wann ich überweise. Wann ich sage: Das liegt außerhalb meiner Möglichkeiten.


Die drei häufigsten Verwechslungen in der Praxis

1. Depression und Hypothyreose

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann sich exakt wie eine Depression anfühlen: Antriebslosigkeit, Stimmungstiefs, Schlafstörungen, Gewichtszunahme. Wer nicht daran denkt, behandelt psychotherapeutisch – ohne Erfolg, weil die körperliche Ursache unbehandelt bleibt.

2. Angststörung und Herzerkrankung

Herzrasen, Atemnot, Brustenge, Todesangst – klassisches Bild einer Panikattacke. Aber dieselben Symptome können ein Herzproblem sein. Beim ersten Auftreten ohne kardiologische Abklärung kommt der Weg zum Arzt vor der psychotherapeutischen Behandlung.

3. Burnout und bipolare Störung

Phasen von Erschöpfung und Rückzug – klingt nach Burnout. Aber wenn in der Anamnese auch Phasen von ungewöhnlicher Energie und wenig Schlafbedürfnis auftauchen, muss ich genauer hinschauen.


Was die ARSANIS-Ausbildung dafür tut

Die Differentialdiagnose war bei ARSANIS kein Kapitel im Lehrbuch. Sie war eine Praxis. Jede Unterrichtseinheit enthielt Fallbeispiele und Fragen die keine einfache Antwort hatten.

Als ich das erste Mal einen Patienten mit möglicher Hypothyreose vor mir hatte, dachte ich nicht bewusst an den Unterricht. Aber mein Denken hatte sich verändert. Die Frage „Was könnte ich übersehen?“ stellte sich automatisch.


Was ich heute jedem HPP-Studierenden mitgeben würde

  • Echte Fallbesprechungen – nicht nur Definitionen, sondern Szenarien
  • Immer auch körperliche Ursachen mitdenken
  • Wissen wann man überweist ist genauso wichtig wie wissen wann man behandelt
  • Übung, Übung, Übung – durch Prüfungssimulationen und Fallbeispiele

📍 Standorte & Formate

Die HPP-Ausbildung bei ARSANIS findet in Wuppertal, Köln, Essen und Aachen statt – sowie bundesweit als Live-Webinar online. Einstieg jederzeit möglich.


Häufige Fragen

Was bedeutet Differentialdiagnose für einen HPP?

Abwägen welche verschiedenen Erkrankungen die Symptome eines Patienten erklären könnten – und entscheiden wann eine Überweisung notwendig ist.

Wann muss ein HPP sofort überweisen?

Bei akuter Suizidalität, schweren Psychosen, Verdacht auf organische Ursachen sowie wenn die Symptome außerhalb des psychotherapeutischen Rahmens liegen.


Wie Differentialdiagnose in der HPP-Prüfung abgefragt wird

Die Differentialdiagnose ist das Herzstück der mündlichen HPP-Prüfung. Der Amtsarzt prüft nicht ob Sie Definitionen auswendig kennen – er prüft ob Sie klinisch denken können.

Typisches Prüfungsszenario: Ein Patient mit Erschöpfung kommt zu Ihnen. Was tun Sie? Welche Diagnosen kommen in Frage? Wann überweisen Sie? Diese Dreierkette muss sitzen – schnell, sicher und ohne zu zögern.

Was den Amtsarzt überzeugt: nicht die perfekte Antwort, sondern das strukturierte Denken. Wer zeigt dass er systematisch vorgeht, alle relevanten Möglichkeiten durchdenkt und seine Grenzen kennt – der besteht.


Differentialdiagnose lernen – so geht es bei ARSANIS

Bei ARSANIS ist Differentialdiagnose keine Theorieveranstaltung. Wir üben sie von Anfang an anhand echter Fallbeispiele – schriftlich und mündlich.

Typische Übung: Eine Fallbeschreibung liegt vor. Sie haben 10 Minuten um Differentialdiagnosen zu formulieren, zu begründen und zu entscheiden wann Sie überweisen. Dann Besprechung in der Gruppe. Warum hat jemand anders entschieden? Was wurde übersehen? Was wäre in der Praxis passiert?

Diese Art des Lernens ist anspruchsvoller als Auswendiglernen. Aber sie bereitet wirklich vor – auf die Prüfung und auf die Praxis.


Die wichtigste Frage in der Differentialdiagnose

Es gibt eine Frage die ich in jeder Fallbesprechung stelle und die meine Schülerinnen auswendig kennen:

„Was darf ich bei diesem Patienten übersehen?“

Nicht was ist wahrscheinlich – sondern was darf ich auf keinen Fall verpassen. Eine übersehene Suizidalität. Eine organische Ursache die behandelbar ist. Eine Psychose die sofortige Überweisung erfordert. Diese Frage zuerst – dann alles andere.

Wer diese Haltung verinnerlicht hat, arbeitet sicher. Und wer sicher arbeitet, besteht die Prüfung.


Weitere Informationen

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