Meine erste eigene Praxis als HPP – was ich vorher wissen wollte
Ich erinnere mich noch genau an den Tag an dem ich mein Praxisschild an die Tür geschraubt habe. Mein Name, darunter: Heilpraktikerin für Psychotherapie. Ich stand davor und dachte: Und jetzt?
Niemand hatte mir gesagt wie das ist diesen Schritt zu machen. Die Ausbildung hatte mich gut vorbereitet – klinisch, fachlich. Aber die Praxis selbst – die Frage wie ich meinen ersten Patienten finde, ob mein Honorar stimmt – das hatte mir niemand erklärt.
Dieser Artikel ist der Text den ich damals gebraucht hätte.
Inhaltsverzeichnis: Das erwartet Sie in diesem Artikel
Was ich zu wenig bedacht hatte
1. Die administrative Seite
Steuer, Buchhaltung, Honorarvereinbarungen, Schweigepflichtformulare, Datenschutzrichtlinien – das war eine andere Welt. Was geholfen hat: ein Steuerberater mit Erfahrung bei Heilpraktikern. Und eine einfache Buchhaltungssoftware. Beides hätte ich früher angehen sollen.
2. Die Zeit bis zum ersten Patienten
Es dauerte drei Monate bis zur ersten echten Buchung über meine Website. Die ersten Patienten kommen fast immer über das persönliche Netzwerk. Erzählen Sie es jedem – nicht werbend, einfach informierend. Das spricht sich rum.
3. Das Honorar festlegen
Ich habe mein erstes Honorar zu niedrig angesetzt. Aus Unsicherheit. Die Orientierung: Ein Erstgespräch wird üblicherweise mit 80 bis 120 Euro abgerechnet. Wer deutlich darunter liegt, sendet das Signal: Ich bin nicht sicher ob ich gut genug bin.
Was mich positiv überrascht hat
Die Dankbarkeit der Patienten
Kassenpatienten warten in Deutschland oft 6 bis 12 Monate auf einen Therapieplatz. Als HPP kann ich innerhalb von Tagen einen Termin anbieten. Diese Erleichterung die ich in den Gesichtern meiner Patienten sehe wenn sie endlich gehört werden – das ist es, wofür ich den ganzen Weg gegangen bin.
Die Freiheit der Selbstständigkeit
Ich entscheide selbst wie ich arbeite, welche Methoden ich einsetze, wie viele Patienten ich pro Tag sehe. Diese Freiheit hat mein Berufsleben verändert.
Meine praktischen Tipps für den Start
- Berufshaftpflicht abschließen – noch vor dem ersten Patienten. Ca. 200 bis 500 Euro jährlich.
- Google My Business Eintrag – kostenlos und wichtig für lokale Sichtbarkeit.
- Therapeuten-Verzeichnisse – Jameda, Psychology Today, Therapie.de.
- Einfache Website – keine Hochglanz-Seite, aber eine klare Darstellung.
- Steuerberater – mit Heilpraktiker-Erfahrung, frühzeitig.
- Schweigepflicht- und Datenschutzformulare – für jeden Patienten von Anfang an.
- Supervision einplanen – auch nach der Ausbildung. Gerade dann.
Was ich rückblickend anders machen würde
Wenn ich meinen eigenen Start nochmal machen könnte, würde ich drei Dinge anders angehen:
Früher netzwerken: Schon während der Ausbildung Kontakte knüpfen – zu Ärzten, anderen HPP, Coaches. Das eröffnet später Kooperationen und Überweisungskanäle.
Die Website ernst nehmen: Eine einfache aber professionelle Website ist heute die wichtigste Visitenkarte. Ich hätte sie früher und besser aufbauen sollen.
Supervision von Anfang an: Nicht warten bis man denkt man braucht es. Supervision ist kein Zeichen von Schwäche – sie ist professionelle Pflege der eigenen Arbeit.
📍 Standorte & Formate
Die HPP-Ausbildung bei ARSANIS findet in Wuppertal, Köln, Essen und Aachen statt – sowie bundesweit als Live-Webinar online. Einstieg jederzeit möglich.
Häufige Fragen zur HPP-Praxis
Was brauche ich um eine HPP-Praxis zu eröffnen?
Heilpraktikerzulassung, Praxisraum, Berufshaftpflicht, Dokumentationsformulare. Kein Gewerbeschein nötig.
Wie finde ich meine ersten Patienten?
Über das persönliche Netzwerk, Google My Business, Therapeuten-Verzeichnisse und die eigene Website. Geduld ist gefragt – 6 bis 12 Monate für eine etablierte Praxis.
Wie viel verdient ein HPP?
Erfahrene HPP 3.000 bis 6.000 Euro monatlich und mehr. Erstgespräch: 80 bis 150 Euro. Die Nachfrage ist durch lange Kassenwartezeiten stark gestiegen.
Brauche ich eine Berufshaftpflicht?
Ja – dringend empfohlen, ca. 200 bis 500 Euro jährlich. Oft Voraussetzung für Therapeuten-Verzeichnisse.
Weitere Informationen
→ HPP werden – der komplette Leitfaden



