Durchfallquote Heilpraktiker Psychotherapie

Wie viele Menschen fallen durch die Überprüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie? Im Internet finden Sie dazu sehr unterschiedliche Prozentzahlen, meist ohne Quelle. In diesem Artikel trennen wir sauber: Was ist amtlich belegt, was ist nur geschätzt, und was weiß schlicht niemand? Danach zeigen wir, wie die Prüfung abläuft, woran Prüflinge scheitern können und wie Sie sich gezielt vorbereiten.

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Die kurze Antwort: Eine bundesweite Durchfallquote gibt es nicht

Eine offizielle, bundesweite Statistik zur Durchfallquote der HPP-Prüfung haben wir nicht gefunden. Das passt zu dem, was das „Empirische Gutachten zum Heilpraktikerwesen“ im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (Stand November 2024) festhält: Es gebe keine umfassende und standardisierte behördliche Datenerfassung zum Heilpraktikerwesen. Die Gutachter hätten gern ausgewertet, wie viele Personen zur Überprüfung angetreten sind und wie viele nicht bestanden haben. Zugang zu diesen Informationen konnten sie im Zeitraum der Gutachtenerstellung aber nicht herstellen.

Der Grund liegt in der Organisation: Die Überprüfung führen die Gesundheitsämter durch, zuständig ist das Amt am Wohnort. Eine zentrale Stelle, die alle Ergebnisse sammelt und veröffentlicht, gibt es nicht. Belastbare Zahlen tauchen deshalb nur vereinzelt auf, zum Beispiel in Antworten auf parlamentarische Anfragen.

Was veröffentlichte Zahlen zeigen

Hamburg: Antwort des Senats von 2019

Auf eine Kleine Anfrage hat der Hamburger Senat im November 2019 Prüfungszahlen veröffentlicht (Drucksache 21/19108). Für die Heilpraktikererlaubnis beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie nennt die Antwort unter anderem:

Jahr Teilnehmende Nicht bestanden Hinweis
2015 316 19 (6,0 %) damals nur mündliche Überprüfung
2016 379 8 (2,1 %) nur mündlich
2017 408 13 (3,2 %) nur mündlich
2019 420 (schriftlich) 88 (21 %) schriftlich mündlich: 5 nicht bestanden (laut Senat 1,51 %), nur Durchgang März 2019

Wichtig für die Einordnung: In Hamburg fand die schriftliche Überprüfung für diesen Bereich laut Senat erstmals im Oktober 2018 statt. Vorher gab es nur einen mündlichen Teil. Die Werte vor und nach 2018 sind deshalb nicht vergleichbar. Das Jahr 2018 lassen wir weg, weil die Tabelle für dieses Übergangsjahr mehrere Gruppen mischt und nicht eindeutig lesbar ist.

Rheinland-Pfalz: Antwort der Landesregierung von 2017

In Rheinland-Pfalz führt das Gesundheitsamt Mainz-Bingen die Überprüfung durch. Auf eine Kleine Anfrage nannte die Landesregierung im November 2017 Zahlen für die Jahre 2012 bis 2016 zusammengefasst (Drucksache 17/4568). Für den Bereich Psychotherapie:

  • 451 Anmeldungen zur Überprüfung,
  • 345 davon haben den schriftlichen Teil bestanden,
  • 115 haben insgesamt bestanden (schriftlich und mündlich),
  • zusätzlich wurde 40 Personen die Erlaubnis nach Aktenlage erteilt, etwa nach einem abgeschlossenen Psychologiestudium.

Eine Durchfallquote weist die Antwort nicht aus, obwohl danach gefragt wurde. Warum zwischen 345 schriftlich Bestandenen und 115 insgesamt Bestandenen eine so große Lücke liegt, erklärt sie nicht. Möglich sind zum Beispiel noch ausstehende mündliche Termine oder Rücktritte. Eine Quote daraus abzuleiten, wäre deshalb unseriös.

Das BMG-Gutachten: Erfolg im ersten Versuch

Das Gutachten hat Personen mit sektoraler Erlaubnis für Psychotherapie gefragt, wie viele Versuche sie gebraucht haben. Ergebnis: 83 % derjenigen mit Ausbildung an einer Heilpraktikerschule, 84 % derjenigen mit Vorbereitungslehrgang und 85 % der Selbststudierenden gaben an, im ersten Anlauf bestanden zu haben.

Diese Zahlen sind keine Bestehensquote der Prüfung. Befragt wurden nur Personen, die die Erlaubnis bereits haben. Wer nicht bestanden und aufgegeben hat, fehlt in den Daten. Darauf weisen die Gutachter selbst ausdrücklich hin.

Warum Zahlen im Netz so weit auseinandergehen

Wer nach der Durchfallquote sucht, stößt auf Angaben, die sich teils um ein Vielfaches unterscheiden. Das hat mehrere Gründe. Oft wird nicht zwischen der uneingeschränkten Heilpraktikererlaubnis und der Erlaubnis für Psychotherapie unterschieden, obwohl es zwei verschiedene Prüfungen sind. Manche Zahlen beziehen sich nur auf den schriftlichen Teil, andere auf das Gesamtergebnis. Manche zählen Personen, andere Prüfungsversuche. Und häufig fehlt jeder Hinweis, aus welchem Jahr und von welcher Behörde eine Zahl stammt.

Prüfen Sie jede Quote deshalb mit diesen Fragen:

  • Geht es um die Erlaubnis für Psychotherapie oder um die allgemeine Heilpraktikererlaubnis?
  • Welches Gesundheitsamt oder Bundesland, welches Jahr?
  • Gilt die Zahl für den schriftlichen Teil, den mündlichen Teil oder beide zusammen?
  • Werden Personen gezählt oder Prüfungsversuche?
  • Gibt es eine nachprüfbare Quelle, etwa eine Landtagsdrucksache oder eine Veröffentlichung des Amtes?

Fehlen diese Angaben, sagt die Zahl wenig über Ihre eigene Prüfung aus.

Zwischenfazit

Die vorhandenen Zahlen sind alt, regional und nicht einheitlich erhoben. Die Hamburger Daten von 2019 deuten darauf hin, dass dort mehr Prüflinge am schriftlichen als am mündlichen Teil gescheitert sind. Eine allgemeingültige Durchfallquote lässt sich daraus nicht ableiten. Wer Ihnen eine exakte bundesweite Zahl nennt, sollte die Quelle dazu nennen können.

So läuft die Überprüfung ab

Grundlage sind die Leitlinien zur Überprüfung von Heilpraktikeranwärterinnen und -anwärtern, die das Bundesministerium für Gesundheit am 22. Dezember 2017 im Bundesanzeiger veröffentlicht hat. Sie sind am 22. März 2018 in Kraft getreten. Für die sektorale Erlaubnis gilt:

Teil Regel
Schriftlich 28 Fragen in 60 Minuten
Bestehensgrenze mindestens drei Viertel richtig, also 21 von 28 Fragen
Mündlich höchstens 45 Minuten pro Person

Die schriftlichen Prüfungen finden laut Hamburger Senat nahezu bundesweit mit standardisierten Fragen zweimal im Jahr statt, im März und im Oktober. Zum mündlichen Teil wird nur eingeladen, wer den schriftlichen Teil bestanden hat. Die Gebühren legt jedes Gesundheitsamt selbst fest. Ein Beispiel: Laut Infoblatt der Stadt Dortmund (Stand Januar 2023) kosten die schriftliche Überprüfung 280 Euro, die mündliche 110 Euro und die Erteilung der Erlaubnis 60 Euro. Mehr zu Ablauf und Anforderungen lesen Sie im Beitrag Gesundheitsamt-Prüfung HPP.

Woran Prüflinge scheitern können

Eine amtliche Auswertung der Gründe gibt es nicht. Aus dem Aufbau der Prüfung ergeben sich aber typische Schwachstellen.

Im schriftlichen Teil

  • Wenig Spielraum: Bei 28 Fragen dürfen höchstens sieben falsch sein.
  • Genaues Lesen: Mehrfachauswahl-Fragen verlangen, jede Antwortoption einzeln zu prüfen. Wer zu schnell liest, verliert Punkte.
  • Lücken in Randthemen: Neben den Störungsbildern nach ICD-10 gehören Gesetzeskunde, Notfälle und Psychopharmaka zum Stoff.
  • Zeitdruck: 60 Minuten für 28 Fragen sind knapp, wenn Sie bei einzelnen Fragen lange zögern.

Welche Themen schriftlich vorkommen, beschreibt unser Beitrag Schriftliche HPP-Prüfung: Themen und Fragen.

Im mündlichen Teil

  • Fallbeispiele ohne klare Struktur beantworten
  • Differentialdiagnosen und körperliche Ursachen nicht nennen
  • Suizidalität nicht aktiv ansprechen
  • die Grenzen der eigenen Erlaubnis nicht kennen, etwa bei Medikamenten oder Notfällen

Die häufigsten Stolperstellen im Gespräch mit der Prüfungskommission haben wir in Fehler in der mündlichen HPP-Prüfung zusammengestellt.

So bereiten Sie sich gezielt vor

  1. Prüfungsformat trainieren: Üben Sie mit Fragen im Stil der Überprüfung und unter Zeitdruck. Einen ersten Eindruck gibt unser HPP-Prüfungssimulator.
  2. Fehler auswerten: Notieren Sie, welche Themen Sie falsch beantworten, und wiederholen Sie gezielt diese Bereiche.
  3. Laut antworten: Üben Sie mündliche Fallbeispiele laut, am besten mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner.
  4. Struktur einüben: Symptome, Verdachtsdiagnose, Differentialdiagnosen, Gefährdung, Vorgehen und Grenzen der Erlaubnis.
  5. Termin realistisch wählen: Melden Sie sich erst an, wenn Sie in Probeprüfungen sicher über der Bestehensgrenze liegen.

Planen Sie außerdem rückwärts vom Prüfungstermin. Weil die schriftliche Überprüfung nur im März und im Oktober stattfindet, kostet ein verpasster Termin ein halbes Jahr. Anmeldefristen, Unterlagen und Gebühren legt das Gesundheitsamt Ihres Wohnorts fest. Fragen Sie dort früh nach, welche Nachweise Sie wann einreichen müssen und bis wann der Antrag vorliegen muss. In Dortmund zum Beispiel gehören laut Infoblatt ein Altersnachweis (vollendetes 25. Lebensjahr) und der Schulabschluss zum Antrag; erweitertes Führungszeugnis und ärztliches Attest werden erst mit der Einladung zur schriftlichen Prüfung angefordert.

Falls es beim ersten Mal nicht klappt: Die Überprüfung kann wiederholt werden. Wie Sie den zweiten Versuch angehen, lesen Sie unter HPP-Prüfung nicht bestanden.

Prüfungsvorbereitung bei ARSANIS

ARSANIS bereitet seit 2006 auf die Überprüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie vor. Eine eigene Bestehensquote nennen wir bewusst nicht, weil wir dafür keine vollständigen, geprüften Daten haben. Die Erlaubnis erteilt ohnehin nicht die Schule, sondern das Gesundheitsamt Ihres Wohnorts. Die HPP-Ausbildung online läuft alle 14 Tage als Live-Webinar zu festen Zeiten, ohne Aufzeichnungen; Dozent ist Michael Kensy, Heilpraktiker für Psychotherapie und Verhaltenstherapeut. In Präsenz unterrichten wir in Wuppertal, Köln und Essen. Schriftliche und mündliche Vorbereitung gehören von Anfang an dazu.

Ihre Dozentinnen und Dozenten

Michael Kensy, Dozent für die HPP-Ausbildung live online bei ARSANIS

Michael Kensy – Ihr Dozent im Live-Online-Kurs
Heilpraktiker für Psychotherapie und Verhaltenstherapeut. Er unterrichtet die HPP-Ausbildung bei ARSANIS live online – mit Fallbesprechungen und Prüfungstraining statt Videokonserve.

Tanja Abmeier-Dunskus, Dozentin für die HPP-Ausbildung in Wuppertal

Tanja Abmeier-Dunskus – HPP in Präsenz in Wuppertal
Heilpraktikerin für Psychotherapie und Verhaltenstherapeutin. Sie unterrichtet den HPP-Präsenzkurs in Wuppertal und die KVT-Ausbildung.

Peggy Schröder, Dozentin für die HPP-Ausbildung in Essen

Peggy Schröder – HPP in Präsenz in Essen
Heilpraktikerin für Psychotherapie mit eigener Praxis in Düsseldorf. Schwerpunkte: Hypnosetherapie, humanistische Gesprächsführung und körperorientierte Ansätze.

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Häufige Fragen

Wie hoch ist die Durchfallquote bei der HPP-Prüfung?

Eine bundesweite amtliche Zahl gibt es nach unserer Recherche nicht. Einzelne Behörden haben Daten veröffentlicht: In Hamburg bestanden 2019 laut Senat 21 % der Teilnehmenden den schriftlichen Teil nicht. Diese Zahl lässt sich nicht auf andere Jahre oder Bundesländer übertragen.

Ist die schriftliche oder die mündliche Prüfung schwerer?

Das ist individuell verschieden. In den Hamburger Zahlen für 2019 scheiterten deutlich mehr Prüflinge am schriftlichen Teil als am mündlichen. Zum mündlichen Teil wird allerdings nur eingeladen, wer schriftlich bestanden hat.

Wie viele Fragen muss ich in der schriftlichen Prüfung richtig beantworten?

Mindestens 21 von 28 Fragen, also drei Viertel. Sie haben dafür 60 Minuten Zeit. So steht es in den Leitlinien des Bundesministeriums für Gesundheit.

Bestehen Selbstlerner genauso oft wie Schulabsolventen?

Im BMG-Gutachten gaben 83 % der Befragten mit Schulausbildung und 85 % der Selbststudierenden an, im ersten Versuch bestanden zu haben. Befragt wurden aber nur Personen mit Erlaubnis. Über die Durchgefallenen sagt die Zahl nichts aus.

Kann ich die Überprüfung wiederholen?

Ja, die Überprüfung kann wiederholt werden. Die Einzelheiten, etwa den nächsten möglichen Termin, regelt das zuständige Gesundheitsamt.

Statt auf Durchfallquoten zu schauen, lohnt sich der Blick auf das, was Sie beeinflussen können: das Prüfungsformat kennen, Wissenslücken systematisch schließen und mündliche Antworten laut üben. Wer in Probeprüfungen sicher über der Grenze von 21 richtigen Antworten liegt, geht mit einer realistischen Einschätzung in die Überprüfung.