Therapeutische Verfahren in der Psychotherapie – ein Überblick
Psychotherapie ist kein einheitliches Verfahren, sondern ein Feld mit verschiedenen Schulen – jede mit eigener Vorstellung davon, wie seelische Störungen entstehen und wie sie sich verändern lassen. Wer die Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie beginnt, muss diese Verfahren nicht alle beherrschen, aber sicher einordnen können: Grundidee, typische Methoden, Anwendungsbereich und Grenzen. Dieser Überblick zeigt, worauf es ankommt – für die Überprüfung beim Gesundheitsamt und für die spätere Praxis.
Sie möchten die Verfahren nicht nur kennen, sondern sicher einordnen? In der HPP-Ausbildung bei ARSANIS lernen Sie sie live mit Dozentinnen und Dozenten aus der Praxis.
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Inhaltsverzeichnis: Das erwartet Sie in diesem Artikel
Die vier Richtlinienverfahren
Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen ambulante Psychotherapie nur in bestimmten Verfahren. Welche das sind, legt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in der Psychotherapie-Richtlinie fest. Derzeit sind es vier:
- Analytische Psychotherapie
- Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
- Verhaltenstherapie
- Systemische Therapie – für Erwachsene seit 1. Juli 2020 abrechenbar, für Kinder und Jugendliche seit 12. April 2024 (Beschluss des G-BA vom 18. Januar 2024)
Die beiden ersten gehen auf die Psychoanalyse zurück und werden auch als psychodynamische Verfahren zusammengefasst.
Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Die Psychoanalyse geht in ihren Grundzügen auf Sigmund Freud zurück. Ihre Grundannahme: Seelische Störungen entstehen aus ungelösten, meist unbewussten Konflikten, die ihren Ursprung oft in frühen Lebenserfahrungen haben. Ziel der Behandlung ist, diese Konflikte bewusst zu machen und zu bearbeiten.
Typische Begriffe, die in der Prüfung gefragt werden: freie Assoziation, Übertragung und Gegenübertragung, Widerstand sowie die Abwehrmechanismen wie Verdrängung, Projektion oder Rationalisierung.
Die beiden Verfahren unterscheiden sich vor allem im Vorgehen:
| Analytische Psychotherapie | Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie | |
|---|---|---|
| Setting | klassisch im Liegen, Therapeut hinter dem Patienten | im Sitzen, einander gegenüber |
| Frequenz | mehrere Sitzungen pro Woche, oft über Jahre | meist eine Sitzung pro Woche |
| Haltung des Therapeuten | zurückhaltend, neutral | aktiver, auch mit Anregungen |
| Fokus | Umstrukturierung der Persönlichkeit | aktuelle Konflikte und Beziehungen |
Grenze, die gern geprüft wird: Aufdeckende Verfahren sind bei akuten Psychosen oder einer akuten schweren Depression nicht angezeigt.
Verhaltenstherapie und kognitive Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass problematisches Verhalten erlernt ist – und deshalb auch wieder verlernt oder durch neues Verhalten ersetzt werden kann. Sie ist ziel- und handlungsorientiert, klar geplant und setzt auf die aktive Mitarbeit des Patienten.
Ihre Wurzeln liegen in den Lerntheorien: der klassischen Konditionierung nach Pawlow und der operanten Konditionierung nach Skinner. Zentrale Werkzeuge sind die Verhaltensanalyse (SORKC-Modell nach Kanfer), Konfrontationsverfahren wie die systematische Desensibilisierung oder die Reizüberflutung bei Ängsten und Zwängen sowie Training sozialer Kompetenzen.
Die kognitive Verhaltenstherapie erweitert diesen Ansatz um Gedanken und Bewertungen. Bekannt sind die kognitive Therapie nach Aaron Beck mit der „kognitiven Triade“ und den typischen Denkfehlern sowie die rational-emotive Therapie nach Albert Ellis mit dem ABC-Modell. Neuere, störungsspezifische Weiterentwicklungen sind etwa die dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) bei Borderline-Störungen, CBASP bei chronischer Depression und die Schematherapie.
Prüfungstipp: Vor einer Konfrontationsbehandlung muss eine körperliche Erkrankung, etwa des Herzens, ärztlich ausgeschlossen sein. Mehr zur KVT: Was ist kognitive Verhaltenstherapie? und KVT-Methoden einfach erklärt.
Systemische Therapie
Die systemische Therapie betrachtet Probleme nicht als Störung eines einzelnen Menschen, sondern im Zusammenhang seiner Beziehungen – Familie, Partnerschaft, Arbeit. Veränderung entsteht, wenn sich Muster und Sichtweisen im System verändern. Typische Methoden sind das Genogramm, zirkuläre Fragen („Wie würde Ihr Sohn die Beziehung zu Ihrem Mann beschreiben?“), das Umdeuten (Reframing) und die Wunderfrage. Sie wird im Einzel-, Paar-, Familien- und Gruppensetting eingesetzt.
Humanistische Verfahren
Die humanistischen Verfahren stellen den Menschen mit seiner Fähigkeit zu Wachstum und Selbstverwirklichung in den Mittelpunkt. Dazu gehören:
- Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie nach Carl Rogers – mit den drei Grundhaltungen Empathie, Wertschätzung und Echtheit (Kongruenz) und der Technik des aktiven Zuhörens
- Gestalttherapie nach Fritz und Laura Perls
- Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor Frankl – mit der Frage nach dem Sinn im Mittelpunkt
- Psychodrama und Transaktionsanalyse
Keines davon ist ein Richtlinienverfahren. Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie bewertet sie unterschiedlich – die Gestalttherapie etwa hat er 2018 nur für affektive Störungen bei Erwachsenen als wissenschaftlich anerkannt eingestuft.
Weitere Methoden
Daneben gibt es Methoden, die in mehreren Verfahren eingesetzt werden oder ergänzend wirken: Entspannungsverfahren wie autogenes Training und progressive Muskelrelaxation, Hypnose und Hypnotherapie, EMDR zur Verarbeitung traumatischer Erfahrungen sowie kreative Ansätze wie Kunst- oder Musiktherapie. Jede davon braucht eine eigene fachliche Ausbildung und eine klare Indikation.
Auf einen Blick
| Verfahren | Grundidee | Typische Methoden | Kassenleistung |
|---|---|---|---|
| Analytische Psychotherapie | unbewusste Konflikte bewusst machen | freie Assoziation, Übertragungsanalyse | ja |
| Tiefenpsychologisch fundiert | aktuelle Konflikte vor ihrem Hintergrund verstehen | konfliktzentrierte Gespräche | ja |
| Verhaltenstherapie / KVT | Verhalten und Denken sind erlernt und veränderbar | Verhaltensanalyse, Konfrontation, kognitive Umstrukturierung | ja |
| Systemische Therapie | Probleme entstehen in Beziehungen | zirkuläre Fragen, Genogramm, Reframing | ja |
| Humanistische Verfahren | Wachstum und Selbstverwirklichung | aktives Zuhören, Gestaltarbeit, Sinnfragen | nein |
Was das für Heilpraktiker für Psychotherapie bedeutet
Heilpraktiker für Psychotherapie sind nicht an die Richtlinienverfahren gebunden und rechnen nicht mit den gesetzlichen Krankenkassen ab. Frei ist die Methodenwahl trotzdem nicht: Zur Sorgfaltspflicht gehört, nur Verfahren einzusetzen, die man beherrscht und die nicht schaden, und Patienten auch über die Möglichkeit einer Psychotherapie auf Kassenkosten aufzuklären. Und: Die Bezeichnung „Psychotherapeut“ ist gesetzlich geschützt – Sie führen den Titel „Heilpraktiker für Psychotherapie“.
In der Überprüfung wird kein Expertenwissen zu jeder Schule erwartet, sondern dass Sie ein Verfahren zu einem Störungsbild passend begründen – und erkennen, wann eine Behandlung nicht angezeigt ist oder ein Arzt hinzugezogen werden muss. Wie das in der Prüfung abläuft, zeigt der Artikel HPP mündliche Prüfung; typische Fehler dabei sammelt Typische Stolperfallen in der HPP-Prüfung.
So lernen Sie die Verfahren bei ARSANIS
Die Psychotherapieverfahren sind ein eigenes Modul der HPP-Ausbildung bei ARSANIS – mit Fallbeispielen, die zeigen, welches Verfahren bei welchem Störungsbild passt. Der Unterricht findet alle 14 Tage statt, live online oder in Präsenz in NRW. Wer sich danach vertiefen möchte, findet in der KVT-Ausbildung einen strukturierten nächsten Schritt.
Ihre Dozentinnen und Dozenten bringen die Verfahren aus der eigenen Praxis mit
Michael Kensy – Ihr Dozent im Live-Online-Kurs
Heilpraktiker für Psychotherapie und Verhaltenstherapeut. Er unterrichtet die HPP-Ausbildung bei ARSANIS live online – mit Fallbesprechungen und Prüfungstraining statt Videokonserve.
Tanja Abmeier-Dunskus – HPP in Präsenz in Wuppertal
Heilpraktikerin für Psychotherapie und Verhaltenstherapeutin. Sie unterrichtet den HPP-Präsenzkurs in Wuppertal und die KVT-Ausbildung.
Peggy Schröder – HPP in Präsenz in Essen
Heilpraktikerin für Psychotherapie mit eigener Praxis in Düsseldorf. Schwerpunkte: Hypnosetherapie, humanistische Gesprächsführung und körperorientierte Ansätze.
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Häufige Fragen
Welche psychotherapeutischen Verfahren gibt es?
Die vier Richtlinienverfahren der gesetzlichen Krankenkassen sind die analytische Psychotherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, die Verhaltenstherapie und die systemische Therapie. Daneben gibt es humanistische Verfahren wie die Gesprächspsychotherapie nach Rogers, die Gestalttherapie oder die Logotherapie sowie ergänzende Methoden wie Entspannungsverfahren, Hypnose oder EMDR.
Seit wann ist die systemische Therapie Kassenleistung?
Für Erwachsene seit dem 1. Juli 2020, für Kinder und Jugendliche seit dem 12. April 2024.
Welche Verfahren darf ich als Heilpraktiker für Psychotherapie anwenden?
Sie sind nicht an die Richtlinienverfahren gebunden. Nach der Sorgfaltspflicht dürfen Sie aber nur Verfahren einsetzen, die Sie fachlich beherrschen und die dem Patienten nicht schaden.
Muss ich für die HPP-Prüfung alle Verfahren im Detail kennen?
Nein. Erwartet werden Grundidee, typische Methoden, Anwendungsbereich und Grenzen – und dass Sie ein Verfahren zu einem Störungsbild passend begründen können.
Welches Verfahren passt am besten zu mir?
Das hängt von Ihren Interessen und Ihrer Zielgruppe ab. Viele Heilpraktiker für Psychotherapie vertiefen sich nach der Prüfung in einem Verfahren, häufig in der kognitiven Verhaltenstherapie, weil sie strukturiert und gut erlernbar ist.






