Massagegriffe: die 5 Grundtechniken erklärt
Wer eine klassische Massage genießt, spürt vor allem eines: Hände, die mal flächig gleiten, mal greifen, mal sanft klopfen. Hinter diesem Wechsel steckt ein System. Die klassische Massage beruht auf wenigen Grundgriffen, die in Druck, Tempo und Richtung variiert und miteinander kombiniert werden. Wer diese Griffe sicher beherrscht, hat das Fundament für fast jede weitere Massageform gelegt, von der Aromaölmassage bis zur Hot-Stone-Massage.
Dieser Beitrag stellt die fünf Grundtechniken vor: Streichung, Knetung, Reibung, Klopfung und Vibration. Sie erfahren, wie jeder Griff ausgeführt wird, welche Rolle er in einer Wellness- und Entspannungsmassage spielt, wie eine solche Massage typischerweise abläuft und warum man Griffe nur unter Anleitung wirklich lernt. Was Massagetherapeutinnen und Massagetherapeuten im Berufsalltag tun und wo sie arbeiten, beschreibt der Beitrag Berufsbild Massagetherapeut.
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Inhaltsverzeichnis: Das erwartet Sie in diesem Artikel
Die fünf Grundgriffe im Überblick
In der Fachliteratur werden fünf Grundgriffe der klassischen Massage unterschieden. Sie werden oft in einer festen Reihenfolge genannt, die auch dem Aufbau einer Massage entspricht: von flächig und sanft zu gezielter und kräftiger und wieder zurück. Auch die Leistungsbeschreibungen der gesetzlichen Krankenkassen für die klassische Massagetherapie nennen genau diese Griffe: Streichungen, Knetungen, Friktionen, Klopfungen und Vibrationen.
| Griff | Fachbegriff | Ausführung in Kürze | Rolle in der Wellnessmassage |
|---|---|---|---|
| Streichung | Effleurage | flächiges Gleiten mit der ganzen Hand | Einstieg, Übergänge, Ausklang |
| Knetung | Petrissage | Muskulatur abheben, walken, rollen | Hauptteil, Lösen von Spannungsgefühlen |
| Reibung | Friktion | kleine kreisende oder querende Bewegungen auf engem Raum | gezielt an einzelnen Stellen, mit wenig Druck |
| Klopfung | Tapotement | rhythmisches Klopfen, Hacken oder Klatschen | sparsam, eher belebend als beruhigend |
| Vibration | Vibration | feines Zittern oder Schütteln der aufgelegten Hand | Lockern, Überleiten, ruhiger Abschluss einzelner Zonen |
Wichtig für das Verständnis: Die Griffe sind in der Wellnessmassage und in der ärztlich verordneten Massagetherapie technisch verwandt. Der Unterschied liegt im Zweck. In der Physiotherapie werden sie eingesetzt, um Beschwerden zu behandeln. In der Wellnessmassage geht es um Entspannung und Wohlbefinden gesunder Menschen. Darauf kommen wir weiter unten zurück.
Streichung (Effleurage): der verbindende Griff
Die Streichung ist der Griff, mit dem eine Massage fast immer beginnt. Die Hände liegen flach und locker auf, die Finger sind geschlossen, und die Bewegung gleitet ruhig über eine größere Körperfläche, zum Beispiel vom unteren Rücken nach oben zu den Schultern und seitlich zurück. Das Massageöl sorgt dafür, dass die Hände gleichmäßig gleiten.
Worauf es ankommt
- Ganze Handfläche: Der Kontakt soll sich gleichmäßig anfühlen, ohne dass einzelne Finger drücken.
- Gleichmäßiger Rhythmus: Ein ruhiges, vorhersehbares Tempo wird meist als angenehm empfunden.
- Kontakt halten: Zwischen zwei Streichungen lösen sich die Hände möglichst nicht ganz vom Körper.
- Druck aus dem Körper: Der Druck entsteht durch eine leichte Gewichtsverlagerung, nicht durch Anspannung in Armen und Händen.
In der Wellnessmassage hat die Streichung mehrere Aufgaben: Sie verteilt das Öl, macht die Kundin oder den Kunden mit der Berührung vertraut und verbindet die einzelnen Körperzonen miteinander. Am Ende einer Zone und am Ende der gesamten Massage leitet sie den Ausklang ein.
Knetung (Petrissage): das Herzstück
Bei der Knetung wird die Muskulatur mit einer oder beiden Händen gefasst, leicht abgehoben und gewalkt, ähnlich wie man einen Teig knetet. Es gibt zahlreiche Varianten: einhändig oder beidhändig, im Wechsel der Hände, quer oder längs zum Muskelverlauf, mit dem Daumen oder mit der ganzen Hand. An großen Muskelgruppen wie Oberschenkeln oder Schultern lässt sich die Knetung gut ausführen, an knöchernen Stellen dagegen kaum.
Worauf es ankommt
- Nicht kneifen: Gegriffen wird mit der ganzen Hand, nicht mit den Fingerspitzen. Kneifen wird als unangenehm empfunden.
- Druck dosieren: In der Wellnessmassage richtet sich der Druck nach dem Empfinden der Kundin oder des Kunden. Nachfragen gehört dazu.
- Fließend bleiben: Die Knetung geht weich in Streichungen über, ohne abrupte Wechsel.
Viele Menschen empfinden die Knetung als den Teil der Massage, der Verspannungsgefühle aus dem Alltag löst. Diese Beschreibung bleibt bewusst beim subjektiven Erleben: Eine Wellnessmassage verspricht keine Behandlung von Muskelbeschwerden.
Reibung (Friktion): gezielt auf kleinem Raum
Bei der Reibung arbeiten Fingerkuppen, Daumen oder Handballen mit kleinen, kreisenden oder querenden Bewegungen auf engem Raum. Anders als bei der Streichung gleiten die Finger dabei nicht über die Haut, sondern bewegen das darunterliegende Gewebe gegen die tieferen Schichten. Typische Stellen in der Wellnessmassage sind die Muskulatur entlang der Wirbelsäule (nicht auf den Dornfortsätzen selbst), der Bereich um die Schulterblätter oder die Fußsohlen.
In der Physiotherapie gibt es Formen der Friktion, die mit deutlichem Druck und auf ärztliche Verordnung eingesetzt werden. In der Wellnessmassage bleibt die Reibung sanft. Sie dient dazu, einzelnen Stellen besondere Aufmerksamkeit zu schenken, und wird immer wieder mit Streichungen ausgeglichen.
Klopfung (Tapotement): belebend und sparsam
Klopfungen sind kurze, rhythmische Schläge mit lockerem Handgelenk. Je nach Technik werden die Handkante (Hackung), die hohle Hand (Klatschung), die locker geschlossene Faust oder die Fingerspitzen eingesetzt. Entscheidend ist, dass die Bewegung federnd aus dem Handgelenk kommt und die Hände sofort wieder abheben.
Klopfungen wirken eher anregend als beruhigend. In einer Massage, deren Ziel tiefe Entspannung ist, setzt man sie deshalb sparsam ein oder lässt sie weg. Im Rahmen einer belebenden Massage, etwa am Morgen oder vor sportlicher Aktivität, können sie einen Platz haben. Über der Wirbelsäule, im Nierenbereich und an anderen empfindlichen Stellen wird nicht geklopft.
Vibration: feine Schwingung
Bei der Vibration liegt die Hand oder liegen die Fingerkuppen ruhig auf, und aus dem Unterarm heraus wird ein feines, gleichmäßiges Zittern übertragen. Eine verwandte Form ist das Schütteln, bei dem zum Beispiel ein Arm oder Bein locker gehalten und leicht geschwungen wird.
Die manuelle Vibration ist technisch anspruchsvoll, weil sie gleichmäßig und ohne Verkrampfung ausgeführt werden muss. Sie eignet sich gut, um eine Körperzone ausklingen zu lassen oder von einer Region zur nächsten überzuleiten. Viele Lernende brauchen dafür die meiste Übungszeit.
Was Massage bewirken kann und was nicht
Wer Massagen anbietet, wird gefragt: Was bringt das eigentlich? Eine ehrliche Antwort ist wichtig, gerade im Wellnessbereich.
Die Forschung zur Massage ist umfangreich, aber uneinheitlich. Eine viel zitierte Metaanalyse aus dem Jahr 2004 hat 37 randomisierte Studien ausgewertet. Danach verringerte schon eine einzelne Massage die momentane Angstanspannung, den Blutdruck und die Herzfrequenz, nicht aber die Stimmung, die unmittelbar gemessenen Schmerzen oder den Cortisolspiegel. Das US-amerikanische National Center for Complementary and Integrative Health weist darauf hin, dass die Belege für viele Anwendungsbereiche begrenzt sind und die Studienqualität oft niedrig ist.
Für die Wellnessmassage folgt daraus eine klare Sprache:
- Sie können eine Massage als entspannend, wohltuend und angenehm beschreiben, als Zeit, in der Ihre Kundin oder Ihr Kunde abschalten kann.
- Sie versprechen nicht, dass eine Massage Beschwerden, Schmerzen oder Erkrankungen lindert oder heilt. Das wäre ein Heilversprechen und würde in den Bereich der Heilkunde führen.
- Sie stellen keine Diagnosen, auch keine beiläufigen wie „Da sitzt eine Blockade“.
Die Grenze ist im Heilpraktikergesetz beschrieben: Ausübung der Heilkunde ist jede berufs- oder gewerbsmäßige Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden. Sie braucht eine Approbation oder eine Heilpraktikererlaubnis. Wie sich Massagetherapeutin, Masseur und Physiotherapeut unterscheiden, lesen Sie im Beitrag Wie werde ich Massagetherapeut?
Ablauf einer Wellnessmassage
Eine Wellnessmassage folgt einem klaren Aufbau. Die Reihenfolge der Körperzonen kann variieren, die Grundstruktur bleibt gleich.
- Vorgespräch: Bevor Sie massieren, fragen Sie nach dem Befinden, nach Wünschen und nach Gründen, die gegen eine Massage sprechen könnten, etwa Fieber, frische Verletzungen oder eine bekannte Thrombose. Bei Unklarheiten wird nicht massiert, sondern eine ärztliche Abklärung empfohlen.
- Raum und Hygiene: Der Raum ist warm, ruhig und sauber, die Liege frisch bezogen, die Hände sind gewaschen. Öl und Tücher liegen griffbereit.
- Lagerung: Die Kundin oder der Kunde liegt bequem, mit Polstern unter Knien oder Sprunggelenken. Nicht massierte Körperteile bleiben mit einem Tuch bedeckt.
- Einstieg mit Streichungen: Das Öl wird angewärmt und mit ruhigen Streichungen verteilt. So gewöhnt sich der Körper an die Berührung.
- Hauptteil: Zone für Zone folgen Knetungen, gezielte Reibungen und, wo passend, Vibrationen, immer wieder verbunden durch Streichungen.
- Rückmeldung während der Massage: Sie fragen nach, ob Druck und Tempo angenehm sind, und achten auf Körpersignale wie Anspannen oder Zurückziehen.
- Ausklang: Die Massage endet mit langsamer werdenden Streichungen und einer kurzen Ruhephase. Ein Glas Wasser und ein paar Minuten Zeit zum Aufstehen gehören dazu.
Spezialtechniken bauen auf diesem Ablauf auf. Bei der Hot-Stone-Massage kommen erwärmte Steine hinzu, bei der Breuß-Massage eine sanfte Rückenmassage mit Johanniskrautöl. Wer die Grundgriffe beherrscht, lernt diese Techniken leichter.
Warum man Griffe nur unter Anleitung lernt
Bücher und Videos können zeigen, wie ein Griff aussieht. Wie er sich anfühlen soll, lernen Sie nur mit den Händen und mit Rückmeldung. Drei Dinge sind dabei besonders wichtig.
Druck und Tempo spüren
Was für die eine Person angenehm ist, ist für die andere zu fest. In der Übung massieren Sie andere Teilnehmende und werden selbst massiert. So lernen Sie beide Seiten kennen: wie viel Druck Sie geben und wie er ankommt.
Die eigene Körperhaltung
Wer mehrere Massagen am Tag gibt, muss die eigenen Hände, Schultern und den Rücken schonen. Die Höhe der Liege, ein stabiler Stand und der Druck aus dem Körpergewicht statt aus den Daumen sind Grundlagen, die eine Dozentin am besten direkt am Tisch korrigiert.
Übergänge und Fluss
Eine Massage wirkt dann stimmig, wenn die Griffe ohne Brüche ineinander übergehen. Dieses Gefühl für den Fluss entsteht durch Wiederholung, unter Anleitung und mit ehrlicher Rückmeldung.
Zur Grifftechnik kommt das Wissen, das hinter den Händen steht: Anatomie, Hygiene, Rechtsrahmen und vor allem die Kontraindikationen, also die Situationen, in denen nicht oder nur nach ärztlicher Rücksprache massiert wird. Welche persönlichen Eigenschaften für den Beruf hilfreich sind, lesen Sie im Beitrag Traumjob Massagetherapeut: Für wen ist der Beruf geeignet?
Massagegriffe bei ARSANIS lernen
Die Massage-Ausbildung bei ARSANIS findet in Präsenz statt, in Wuppertal und Essen. Massieren lernt man mit den Händen: Sie üben im Kursraum unter Anleitung und bekommen direkte Rückmeldung zu Ihrer Technik. Unterricht ist alle 14 Tage abends von 18 bis 21 Uhr, die Ausbildung dauert 10 Monate und umfasst 75 Unterrichtseinheiten. Der Einstieg ist jederzeit möglich, besondere Vorkenntnisse sind nicht nötig.
Die klassische Massage hat im Lehrplan zwei eigene Themen: Grundlagen, Wirkung und Anwendungsgebiete sowie Massagegriffe und praktische Durchführung. Davor stehen Anatomie und Physiologie, Indikationen und Kontraindikationen, Gesetzeskunde sowie Hygiene. Darauf bauen Schulter- und Nackenmassage, Aromaölmassage, Fußreflexzonenmassage, Hot-Stone-Massage, Breuß-Massage, Sportmassage und die Grundlagen der manuellen Lymphdrainage auf. Ein eigener Themenblock behandelt den Weg in die Selbstständigkeit.
Die Ausbildung schließt mit dem ARSANIS-Zertifikat ab. Es ist kein staatlicher Abschluss und keine Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde. „Massagetherapeut/in“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Die Ausbildung qualifiziert für Massagen im Wellness-, Entspannungs- und Präventionsbereich. Die geschützte Bezeichnung „Masseur und medizinischer Bademeister“ setzt eine eigene staatliche Ausbildung voraus.
Ihre Dozentin
Bianca Sontowski – Ihre Dozentin in der Massage-Ausbildung
Staatlich examinierte Physiotherapeutin und Heilpraktikerin (sektoral, Physiotherapie), seit fünfzehn Jahren als Physiotherapeutin tätig, mit den Schwerpunkten Manual- und Sportphysiotherapie. Sie zeigt jeden Griff, lässt ihn unter Anleitung üben und korrigiert direkt am Kursplatz.
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Häufige Fragen
Welche Grundgriffe gibt es bei der klassischen Massage?
Es gibt fünf Grundgriffe: Streichung (Effleurage), Knetung (Petrissage), Reibung (Friktion), Klopfung (Tapotement) und Vibration. Sie werden in Druck, Tempo und Richtung variiert und miteinander kombiniert.
Mit welchem Griff beginnt eine Massage?
Meist mit Streichungen. Sie verteilen das Öl, machen die Berührung vertraut und verbinden die Körperzonen. Auch der Ausklang einer Massage besteht in der Regel aus ruhigen Streichungen.
Gehören Klopfungen in eine Entspannungsmassage?
Nur sparsam. Klopfungen wirken eher belebend als beruhigend. In einer Massage, die tiefe Entspannung zum Ziel hat, werden sie oft weggelassen. Über der Wirbelsäule und im Nierenbereich wird nicht geklopft.
Kann ich Massagegriffe aus Videos lernen?
Videos zeigen, wie ein Griff aussieht. Wie viel Druck angenehm ist, wie Übergänge fließend werden und wie Sie Ihre eigene Körperhaltung schonen, lernen Sie nur durch Übung unter Anleitung und mit direkter Rückmeldung.
Darf ich mit einer Wellnessmassage Verspannungen behandeln?
Eine Wellnessmassage dient der Entspannung und dem Wohlbefinden gesunder Menschen. Die Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten und Beschwerden ist Heilkunde und braucht eine Approbation oder Heilpraktikererlaubnis. Bei anhaltenden Schmerzen empfehlen Sie eine ärztliche Abklärung.
Streichung, Knetung, Reibung, Klopfung und Vibration: Mit diesen fünf Griffen lässt sich eine vollständige klassische Massage aufbauen. Ob sie als wohltuend empfunden wird, hängt weniger von der Zahl der Techniken ab als von Druck, Rhythmus und Aufmerksamkeit. Diese Feinheiten lernen Sie am besten in der Übung, mit klaren Grenzen und einer ehrlichen Sprache gegenüber Ihren Kundinnen und Kunden.





