Breuß-Massage: sanfte Rückenmassage erklärt
Die Breuß-Massage ist eine ruhige, sehr sanfte Massage entlang der Wirbelsäule. Statt kräftiger Knetungen stehen langsame Streichungen mit viel Johanniskrautöl im Mittelpunkt, am Ende ruht die Person zugedeckt nach. Viele Menschen erleben diese Art der Rückenmassage als besonders wohltuend und entspannend.
Benannt ist die Methode nach dem Österreicher Rudolf Breuß. Dieser Beitrag erklärt, woher die Massage kommt, wie sie Schritt für Schritt abläuft, wann sie nicht angewendet werden sollte und wo im Wellnessbereich ihre Grenzen liegen. Grundlage ist das Kursskript der ARSANIS-Massage-Ausbildung, ergänzt um externe Quellen. Eine ärztliche Beratung ersetzt der Text nicht.
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Inhaltsverzeichnis: Das erwartet Sie in diesem Artikel
Wer war Rudolf Breuß?
Rudolf Breuß wurde in Österreich geboren und lebte von 1899 bis 1990. Er war in der Naturheilkunde tätig. Die nach ihm benannte Rückenmassage entwickelte er aus einer bestimmten Vorstellung über die Bandscheiben: Er war der Meinung, Bandscheiben könnten nicht verbraucht, sondern nur unterversorgt sein. Zur Veranschaulichung verglich er die Bandscheibe mit einem Schwamm:
„Wenn auf einem ausgetrockneten Schwamm einige Zeit ein Gewicht liegt, so wird dieser dünn. Nimmt man das Gewicht weg und legt ihn in ein Gefäß mit Wasser, so saugt er sich wieder voll und dehnt sich aus.“
Wichtig für die Einordnung: Das ist die Annahme von Rudolf Breuß, kein medizinischer Befund. Wer die Breuß-Massage im Wellnessbereich anbietet, verspricht deshalb keine Wirkung auf die Bandscheiben. Sie wird als das angeboten, was sie im Alltag einer Massagepraxis ist: eine sanfte, entspannende Rückenmassage.
Breuß-Massage und Dorn-Therapie
Laut ARSANIS-Skript wird die Breuß-Massage oft in Kombination mit der Dorn-Therapie angewandt. Die Dorn-Therapie ist nicht Teil der Massage-Ausbildung bei ARSANIS und nicht Thema dieses Beitrags.
Was die Breuß-Massage ausmacht
Im Vergleich zur klassischen Massage hat die Breuß-Massage einige Besonderheiten:
- Feinfühlig und sanft: Das Skript beschreibt sie als feinfühlige Massage, die keine Schmerzen verursachen darf.
- Nur Johanniskrautöl: Bei der Breuß-Massage kommt ausschließlich Johanniskrautöl zum Einsatz, und zwar in großen Mengen.
- Wirbelsäule im Mittelpunkt: Die Griffe verlaufen stufenweise vom Kreuzbein bis zur Halswirbelsäule.
- Energetische Elemente: Zum überlieferten Ablauf gehören Ausstreichungen über den ganzen Körper und die sogenannte Aura sowie ein ruhiges Handauflegen.
- Nachruhen: Am Ende ruht die Person 5 bis 10 Minuten zugedeckt nach.
| Merkmal | Klassische Massage | Breuß-Massage |
|---|---|---|
| Griffe | fünf Grundgriffe: Streichen, Kneten, Zirkeln, Vibrieren, Klopfen | sanfte Streichungen, Zangen- und Gabelgriff entlang der Wirbelsäule |
| Massagemittel | Öl oder Lotion nach Wahl | ausschließlich Johanniskrautöl, reichlich |
| Behandlungsbereich | Ganz- oder Teilkörper | Rücken, vor allem entlang der Wirbelsäule |
| Intensität | je nach Griff von sanft bis kräftig | durchgehend sanft, ohne Schmerz |
Johanniskrautöl: was zu beachten ist
Johanniskrautöl ist ein Öl, in dem Johanniskraut ausgezogen wurde. Es ist das einzige Massagemittel der Breuß-Massage. Das ARSANIS-Skript schreibt dem Öl traditionell verschiedene Eigenschaften zu; Heilaussagen dazu machen wir hier bewusst nicht.
Ein praktischer Sicherheitshinweis kommt von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA). In ihrer Monografie zu Johanniskraut heißt es für ölige Zubereitungen, die auf die Haut aufgetragen werden: Während der Anwendung soll eine intensive UV-Bestrahlung der betreffenden Hautstellen vermieden werden. Für die Praxis heißt das: Kundinnen und Kunden darauf hinweisen, nach einer Breuß-Massage mit dem eingeölten Rücken nicht in die pralle Sonne oder ins Solarium zu gehen.
Ablauf einer Breuß-Massage Schritt für Schritt
Das ARSANIS-Skript beschreibt die Breuß-Massage in einer festen Reihenfolge. Alle Griffe werden drei- bis sechsmal wiederholt.
Vorbereitung
Die Person liegt gut gelagert und bequem in Bauchlage, die Arme neben dem Körper. Der Raum ist ruhig und angenehm warm, damit sie nicht auskühlt. Vor der Massage steht ein kurzes Vorgespräch zu Kontraindikationen.
Die Schritte
- Abtasten: Die Dornfortsätze der Wirbelsäule werden vorsichtig abgetastet. Das Skript nennt diesen Schritt „Schmerzprobe“. Ist die Berührung schmerzhaft, ist das ein Hinweis, die Massage nicht fortzusetzen und eine ärztliche Abklärung zu empfehlen.
- „Strecken“ mit dem Handballen: Mit dem Handballen und nur einem Tropfen Öl wird die Wirbelsäule stufenweise vom Kreuzbein bis zur Halswirbelsäule sanft ausgestrichen.
- „Streckung“ mit dem Zangengriff: Derselbe Weg vom Kreuzbein bis zum Nacken, diesmal mit dem Zangengriff.
- Üppiges Ölen: Jetzt wird reichlich Johanniskrautöl entlang der Wirbelsäule aufgetragen.
- Wiederholung: Handballen- und Zangengriff werden wiederholt.
- Gabelgriff: Mit Zeige- und Mittelfinger wird stufenweise vom Kreuzbein zum Nacken entlang der Wirbelsäule gearbeitet. Das Skript nennt diesen Schritt „Einrichten der Wirbelsäule“; gemeint ist ein sanfter Griff, kein Einrenken.
- „Herzchen“: Ein weiterer, im Skript als „Herzchen“ bezeichneter Griff entlang der Wirbelsäule folgt.
- Papier auflegen: Erneut wird Öl aufgetragen, dann wird ein Papier mit der glatten Seite auf den Rücken gelegt. Darüber folgen etwa drei Ausstreichungen.
- Hände auflegen: Die Hände liegen nebeneinander, ohne sich zu berühren, ruhig auf dem Rücken.
- Zudecken und Ausstreichen: Der Rücken wird mit einem Handtuch oder Laken abgedeckt. Es folgen drei Ausstreichungen über den ganzen Körper, zum Abschluss eine Streichung vom Kreuzbein bis zum Scheitel.
- Nachruhen: Die Person ruht 5 bis 10 Minuten nach.
Zum Abschluss wäscht sich die Masseurin oder der Masseur die Hände unter kaltem, fließendem Wasser.
Zum Umgang mit den energetischen Elementen
Das Skript beschreibt einige Schritte in energetischen Begriffen: das Ausschütteln der Hände, um „negative Energie zu entladen“, das Handauflegen mit positiven Gedanken und das „Schließen der Aura“. Diese Vorstellungen gehören zur Überlieferung der Methode. Für die Kundin oder den Kunden spürbar sind vor allem Ruhe, Wärme und gleichmäßige Berührung. Wie stark man die überlieferten Rituale übernimmt, ist eine Frage der eigenen Arbeitsweise; Versprechen lassen sich daraus nicht ableiten.
Einsatz im Wellnessbereich
Im Wellnessbereich wird die Breuß-Massage als entspannende Rückenmassage für gesunde Menschen angeboten. Das ARSANIS-Skript beschreibt die rechtliche Trennung so: Massagetechniken an gesunden Menschen, die zur Entspannung und zum Wohlbefinden beitragen, sind nicht geschützt. Wer in diesem Rahmen arbeitet, darf
- keine geschützten Berufstitel wie Physiotherapeut, medizinischer Masseur oder Heilpraktiker führen,
- keine Diagnosen stellen,
- keine kranken und pathologischen Zustände behandeln,
- keine Heilungsversprechen abgeben.
Geschützt ist die Berufsbezeichnung „Masseur und medizinischer Bademeister“, „Massagetherapeut/in“ dagegen nicht. Was das für den Berufseinstieg bedeutet, erklärt der Beitrag Wie werde ich Massagetherapeut?. Wo Massagetherapeutinnen und Massagetherapeuten arbeiten, beschreibt Massagetherapeut: Fakten zum Berufsbild.
Abgrenzung: keine Behandlung von Rückenleiden
Im ARSANIS-Skript werden, der Überlieferung der Methode folgend, Anwendungsgebiete wie Bandscheibenprobleme, Ischiasbeschwerden oder Hexenschuss genannt. Das sind Erkrankungen. Sie zu behandeln, ist Ärztinnen und Ärzten, Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern und entsprechend zugelassenen Fachkräften vorbehalten. Für die Breuß-Massage im Wellnessbereich gilt deshalb:
- Sie wird nicht als Behandlung von Bandscheibenvorfällen, Ischias oder anderen Rückenerkrankungen angeboten.
- Es wird keine Wirkung auf die Bandscheiben in Aussicht gestellt.
- Wer mit Rückenbeschwerden kommt, wird an eine Ärztin oder einen Arzt verwiesen.
Diese Grenze ist kein Nachteil. Sie schützt die Kundschaft und die eigene Arbeit und macht das Angebot klar verständlich: eine ruhige, sanfte Massage zur Entspannung.
Kontraindikationen: wann keine Breuß-Massage?
Für die Breuß-Massage nennt das ARSANIS-Skript diese Kontraindikationen:
- Osteoporose
- frische Operationen
- Knochenmetastasen
Daneben gelten die allgemeinen Kontraindikationen jeder Massage, die das Skript aufführt, unter anderem:
- fieberhafte Erkrankungen wie Grippe oder Infektionen
- infektiöse Hautkrankheiten und Ausschläge, eitrige Prozesse
- Knochenbrüche, Muskel- und Knochenentzündungen
- frische Narben
- akute Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkt, starker Bluthochdruck
- Tumore und Krebserkrankungen
- Krampfadern, Durchblutungsstörungen, Thrombose
- Schwangerschaft (im Rücken- und Kreuzbeinbereich)
- Einnahme blutverdünnender Medikamente
Im Zweifel wird nicht massiert, sondern eine ärztliche Abklärung empfohlen.
Hygiene und Rahmen
Wie bei jeder Massage gehören Händedesinfektion vor und nach dem Kundenkontakt, saubere Wäsche für jede Person, abgelegter Schmuck und kurze Fingernägel dazu. Weil bei der Breuß-Massage viel Öl verwendet wird, sind Laken und Handtücher besonders wichtig; laut Skript wird die Wäsche im Kochwaschgang gereinigt. Massageöle werden gut verschlossen und nach Gebrauch von außen gereinigt.
Was Sie in der Ausbildung lernen
Die Breuß-Massage wirkt einfach, verlangt aber ein gutes Gespür für Druck und Tempo und genaue Kenntnis der Wirbelsäule. Im Unterricht geht es um:
- Lage und Tastbarkeit der Dornfortsätze, Grundlagen der Anatomie von Wirbelsäule und Rückenmuskulatur,
- Handballen-, Zangen- und Gabelgriff sowie die übrigen Schritte des Ablaufs,
- den Umgang mit Johanniskrautöl,
- Vorgespräch, Kontraindikationen und die Grenze zur Heilkunde,
- Hygiene und Vorbereitung des Arbeitsplatzes.
Grundlage ist die klassische Massage. Wer deren Griffe sicher beherrscht, kann die feinen Unterschiede der Breuß-Massage besser umsetzen.
Breuß-Massage bei ARSANIS lernen
Die Breuß-Massage ist ein eigener Themenblock der Massage-Ausbildung bei ARSANIS. Die Ausbildung umfasst 14 Themen und 75 Unterrichtseinheiten in 10 Monaten, von Anatomie und Hygiene über die klassische Massage bis zu Spezialformen wie Aromaöl-, Hot-Stone- und Breuß-Massage. Unterrichtet wird in Präsenz in Wuppertal und Essen, alle 14 Tage abends von 18 bis 21 Uhr. Dozentin ist Bianca Sontowski, staatlich examinierte Physiotherapeutin und sektorale Heilpraktikerin für Physiotherapie. Mehr zum Standort lesen Sie auf der Seite Massageausbildung in Wuppertal. Nach Abschluss aller Themen erhalten Sie das ARSANIS-Zertifikat; es ist kein staatlicher Abschluss und keine Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde.
Ihre Dozentin
Bianca Sontowski – Ihre Dozentin in der Massage-Ausbildung
Staatlich examinierte Physiotherapeutin und Heilpraktikerin (sektoral, Physiotherapie), seit fünfzehn Jahren als Physiotherapeutin tätig, mit den Schwerpunkten Manual- und Sportphysiotherapie. Sie zeigt jeden Griff, lässt ihn unter Anleitung üben und korrigiert direkt am Kursplatz.
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Häufige Fragen
Was ist eine Breuß-Massage?
Die Breuß-Massage ist eine sanfte Rückenmassage entlang der Wirbelsäule, benannt nach Rudolf Breuß (1899–1990). Typisch sind langsame Streichungen mit viel Johanniskrautöl, ein aufgelegtes Papier und eine Nachruhe von 5 bis 10 Minuten. Die Massage darf keine Schmerzen verursachen.
Welches Öl wird bei der Breuß-Massage verwendet?
Ausschließlich Johanniskrautöl, und zwar reichlich. Die Europäische Arzneimittel-Agentur empfiehlt für ölige Johanniskraut-Zubereitungen auf der Haut, intensive UV-Bestrahlung der behandelten Stellen zu vermeiden. Nach der Massage also besser nicht in die pralle Sonne oder ins Solarium.
Hilft die Breuß-Massage bei Bandscheibenvorfall?
Das können wir nicht versprechen. Die Vorstellung, die Massage versorge die Bandscheiben, ist eine Annahme von Rudolf Breuß, kein medizinischer Befund. Bei Rückenschmerzen oder Bandscheibenproblemen gehört die Behandlung in ärztliche Hände. Im Wellnessbereich wird die Breuß-Massage als entspannende Rückenmassage für gesunde Menschen angeboten.
Wann darf keine Breuß-Massage gegeben werden?
Laut ARSANIS-Skript nicht bei Osteoporose, frischen Operationen und Knochenmetastasen. Außerdem gelten die allgemeinen Kontraindikationen jeder Massage, zum Beispiel fieberhafte Infekte, ansteckende Hautkrankheiten, Thrombose, akute Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder die Einnahme blutverdünnender Medikamente.
Wie lange dauert es, die Breuß-Massage zu lernen?
Bei ARSANIS ist die Breuß-Massage einer von 14 Themenblöcken der Massage-Ausbildung, die insgesamt 10 Monate dauert. Grundlage ist die klassische Massage, die vorher im Kurs vermittelt wird. Vorkenntnisse sind nicht nötig.
Die Breuß-Massage ist eine ruhige, sanfte Rückenmassage mit Johanniskrautöl und einem festen Ablauf. Wer sie anbietet, braucht ein feines Gespür für Druck, eine sorgfältige Klärung der Kontraindikationen und ein klares Verständnis der Grenze zur Heilkunde.




