Heilpraktiker Prüfungsfragen sinnvoll üben
Wer sich auf die Heilpraktikerprüfung vorbereitet, verbringt viele Stunden mit Prüfungsfragen. Das ist sinnvoll, denn der schriftliche Teil beim Gesundheitsamt besteht ausschließlich aus Fragen mit vorgegebenen Antworten. Entscheidend ist aber nicht, wie viele Fragen Sie durcharbeiten, sondern wie. Wer Fragen nur liest und die Lösung nachschlägt, lernt vor allem, Antworten wiederzuerkennen. Wer Fragen gezielt einsetzt, prüft sein Wissen, findet Lücken und trainiert genau die Form, in der die Überprüfung später stattfindet.
In diesem Beitrag erfahren Sie, wie der schriftliche Teil aufgebaut ist, welche Fragetypen Sie erwarten, wo amtliche Lösungsschlüssel veröffentlicht werden und wie Sie Prüfungsfragen so üben, dass das Wissen auch am Prüfungstag abrufbar ist. Welche Themen insgesamt geprüft werden, lesen Sie im Beitrag Prüfungsthemen der Heilpraktikerprüfung.
Inhaltsverzeichnis: Das erwartet Sie in diesem Artikel
So ist die schriftliche Überprüfung aufgebaut
Grundlage sind die Leitlinien zur Überprüfung von Heilpraktikeranwärterinnen und -anwärtern, die das Bundesministerium für Gesundheit am 22.12.2017 im Bundesanzeiger bekannt gemacht hat und die seit dem 22.03.2018 gelten. Für die allgemeine Heilpraktikererlaubnis legen sie den schriftlichen Teil so fest:
| Merkmal | Regelung laut Leitlinien |
|---|---|
| Anzahl der Fragen | 60 Fragen im Antwort-Wahl-Verfahren (Multiple Choice) |
| Bearbeitungszeit | zwei Stunden |
| Inhalt | Fragen aus allen Inhaltsbereichen der Leitlinien |
| Auswahl der Fragen | durch eine von der zuständigen Stelle bestimmte Ärztin oder einen Arzt |
| Bestehensgrenze | mindestens drei Viertel der Fragen zutreffend beantwortet, also mindestens 45 von 60 |
| Bewertung | nur „bestanden“ oder „nicht bestanden“; der schriftliche Teil findet vor dem mündlich-praktischen statt |
Wer den schriftlichen Teil nicht besteht, wird zum mündlich-praktischen Teil nicht zugelassen. Das bestätigen die Merkblätter der Gesundheitsämter, etwa aus Augsburg und Bayreuth. Eine Note gibt es nicht. 45 richtige Antworten reichen ebenso wie 60.
Ein bundesweit einheitlicher Fragebogen
Viele Länder nehmen an einem länderübergreifenden Verfahren teil. Das Merkblatt des Landkreises Osterholz in Niedersachsen beschreibt es so: Verwendet wird ein bundesweit einheitlicher Fragebogen, den das koordinierende Gesundheitsamt beim Landratsamt Ansbach zu jedem Termin herausgibt. Die Termine liegen laut mehreren Merkblättern am dritten Mittwoch im März und am zweiten Mittwoch im Oktober. Die Fragebögen gibt es in zwei Varianten, Gruppe A und Gruppe B; das zeigen die veröffentlichten Lösungsschlüssel. Wie der Prüfungstag organisatorisch abläuft, beschreibt der Beitrag Heilpraktiker-Prüfung beim Gesundheitsamt.
Worum es bei der Überprüfung eigentlich geht
Die Überprüfung ist kein Leistungsnachweis im üblichen Sinn. Die bayerische Verwaltungsvorschrift zum Heilpraktikerrecht formuliert ausdrücklich, dass sie der Abwehr von Gefahren für die Gesundheit dient und „keine Prüfung im Sinn einer Leistungskontrolle“ ist. Für Ihr Üben heißt das: Fragen zu Notfällen, Infektionsschutz und rechtlichen Grenzen sind keine Nebensache. Gerade dort zeigt sich, ob Sie gefährliche Situationen erkennen.
Welche Fragetypen Sie erwarten
Die Merkblätter der Gesundheitsämter sprechen nur allgemein vom „Antwort-Wahl-Verfahren“. Wie die Fragen konkret gebaut sind, lässt sich an den veröffentlichten Lösungsschlüsseln ablesen.
Einfachauswahl
Bei der Einfachauswahl ist genau eine der Antwortmöglichkeiten richtig. Im amtlichen Lösungsschlüssel steht dann ein einzelner Buchstabe. Typische Formulierungen lauten „Welche Aussage trifft zu?“ oder „Welche Aussage trifft nicht zu?“. Achten Sie besonders auf die Verneinung: Wer sie überliest, kreuzt mit gutem Wissen die falsche Antwort an.
Mehrfachauswahl
Bei der Mehrfachauswahl sind mehrere Antworten richtig. Im Lösungsschlüssel stehen dann zwei Buchstaben. Ein Beispiel für die Größenordnung: Im Lösungsschlüssel der allgemeinen Überprüfung vom 18.03.2026 (Gruppe A) stehen bei 14 der 60 Fragen zwei Buchstaben, bei den übrigen 46 einer. Das ist eine einzelne Prüfung, keine feste Quote. Es zeigt aber, dass Mehrfachauswahlfragen regelmäßig vorkommen. Lesen Sie die Aufgabenstellung deshalb immer bis zum Ende und kreuzen Sie genau so viele Antworten an, wie verlangt werden.
Und die Aussagenkombination?
In Übungsmaterial begegnet Ihnen häufig ein dritter Typ: Mehrere nummerierte Aussagen stehen untereinander, und die Antwortmöglichkeiten nennen Kombinationen wie „nur 1 und 3 sind richtig“. Ob und wie oft dieser Typ in aktuellen Überprüfungen vorkommt, geht aus den amtlichen Unterlagen, die wir ausgewertet haben, nicht hervor. Das Üben schadet trotzdem nicht: Wer jede einzelne Aussage sicher als richtig oder falsch einordnen kann, beherrscht auch die anderen Formate.
Wo amtliche Lösungen veröffentlicht werden
Nach jedem Termin veröffentlichen einige Behörden die Lösungsschlüssel im Internet, jeweils für Gruppe A und Gruppe B:
- Landratsamt München: Laut Behördenseite wird der Lösungsschlüssel etwa zehn Tage nach der Überprüfung auf der Webseite veröffentlicht, für die allgemeine Erlaubnis und für den Bereich Psychotherapie.
- Landratsamt Augsburg: Laut Merkblatt des Gesundheitsamts Kaufbeuren erscheint der Lösungsschlüssel am zweiten Montag nach der Überprüfung auf der Homepage des Landratsamts Augsburg.
- Niedersachsen: Das Niedersächsische Landesamt für Soziales, Jugend und Familie stellt Lösungsschlüssel ebenfalls zum Download bereit, etwa für den Termin vom 18.03.2026.
Wichtig: Veröffentlicht werden die Lösungsschlüssel, also Fragennummer und richtige Buchstaben. Ohne den zugehörigen Fragebogen sind sie vor allem nach der eigenen Prüfung nützlich, um das Ergebnis abzuschätzen. Ob und wo Fragebögen früherer Termine erhältlich sind, ist von Amt zu Amt unterschiedlich. Fragen Sie im Zweifel bei Ihrem Gesundheitsamt nach.
Prüfungsfragen sinnvoll üben: die Lernstrategie
Die Lernforschung hat Lerntechniken systematisch verglichen. Eine viel zitierte Übersicht von Dunlosky und Kollegen (2013) bewertet zwei Techniken mit hohem Nutzen: das Üben mit Tests, bei dem Sie Wissen aktiv aus dem Gedächtnis abrufen, und das verteilte Lernen, bei dem Sie Stoff in Abständen wiederholen. Markieren, Unterstreichen und wiederholtes Lesen erhielten dagegen eine niedrige Bewertung. Prüfungsfragen sind also ein starkes Werkzeug, wenn Sie sie als Test nutzen und nicht als Lesestoff.
1. Erst antworten, dann nachschlagen
Beantworten Sie jede Frage, bevor Sie die Lösung ansehen, und begründen Sie Ihre Wahl in einem Satz. Notieren Sie, wie sicher Sie waren: sicher, unsicher oder geraten. Eine richtig geratene Antwort ist eine Lücke, kein Erfolg.
2. Jede Antwortmöglichkeit erklären
Gehen Sie nach der Auflösung alle fünf Antwortmöglichkeiten durch. Warum ist A falsch? Was müsste man ändern, damit D stimmt? So wird aus einer Frage ein kleines Lernpaket. Diese Technik trainiert auch die Mehrfachauswahl, bei der Sie jede Aussage einzeln bewerten müssen.
3. Ein Fehlerprotokoll führen
Halten Sie falsch beantwortete und unsichere Fragen fest, mit Thema und Fehlerart. Typische Fehlerarten sind:
- Wissenslücke: Der Inhalt war nicht bekannt.
- Verwechslung: Zwei ähnliche Begriffe oder Krankheitsbilder wurden vertauscht.
- Lesefehler: Eine Verneinung oder das Wort „nicht“ wurde überlesen.
- Formatfehler: Bei einer Mehrfachauswahl wurden zu wenige oder zu viele Antworten gewählt.
Nach einigen Wochen sehen Sie, ob Ihr Problem eher im Wissen oder eher in der Prüfungstechnik liegt. Beides braucht eine andere Übung.
4. Verteilt wiederholen
Wiederholen Sie die Fragen aus Ihrem Fehlerprotokoll in wachsenden Abständen, etwa nach einigen Tagen, nach einer Woche und nach einem Monat. Lernkarten oder eine Lern-App mit Wiederholungsfunktion helfen dabei. Wichtig ist, dass Sie die Antwort jedes Mal neu abrufen und nicht nur wiedererkennen.
5. Themen mischen
Im Fragebogen folgen Herz, Haut, Infektionsschutz und Kinderheilkunde unmittelbar aufeinander. Üben Sie deshalb nicht nur kapitelweise. Sobald ein Thema einmal sitzt, gehört es in gemischte Fragerunden.
6. Unter Prüfungsbedingungen üben
Simulieren Sie in den letzten Monaten vor dem Termin regelmäßig vollständige Durchgänge: 60 Fragen, zwei Stunden, ohne Unterlagen. Das sind im Durchschnitt zwei Minuten pro Frage. Werten Sie danach nicht nur die Punktzahl aus, sondern auch Ihr Fehlerprotokoll.
Ein Lernplan für die schriftliche Prüfung
Wie Sie Ihre Zeit aufteilen, hängt von Ihrem Starttermin und Ihrem Vorwissen ab. Als Orientierung kann ein Plan in drei Phasen dienen. Er ist ein Vorschlag, keine amtliche Vorgabe.
| Phase | Schwerpunkt | Fragen-Einsatz |
|---|---|---|
| Aufbau (ausbildungsbegleitend) | Grundlagen und Fachgebiete verstehen | nach jedem Thema kurze Fragerunden zum gerade Gelernten |
| Vertiefung (etwa sechs bis drei Monate vor dem Termin) | Lücken schließen, Verwechslungen klären | gemischte Fragerunden, Fehlerprotokoll, verteilte Wiederholung |
| Endphase (letzte Wochen) | Sicherheit und Tempo | vollständige Simulationen mit 60 Fragen in zwei Stunden, Fehlerprotokoll abarbeiten |
Planen Sie Recht und Infektionsschutz von Anfang an ein, nicht erst zum Schluss. Die Leitlinien verlangen Fragen aus allen Bereichen. Besonders das Behandlungsverbot und die Meldepflichten werden gern abgefragt; einen Überblick gibt der Beitrag Infektionsschutzgesetz für Heilpraktiker.
Typische Fehler beim Üben
- Fragen auswendig lernen: Wer sich Antwortbuchstaben merkt, erkennt die Frage wieder, aber nicht das Prinzip. Schon eine leicht veränderte Formulierung führt dann ins Leere.
- Nur Lieblingsthemen üben: Lücken in Recht, Hygiene oder Kinderheilkunde kosten genauso Punkte wie Lücken in Anatomie.
- Verneinungen überlesen: Markieren Sie beim Üben jedes „nicht“ und jedes „keine“ in der Fragestellung.
- Mehrfachauswahl unterschätzen: Lesen Sie, wie viele Antworten verlangt sind, und bewerten Sie jede Aussage einzeln.
- Nur schriftlich denken: Viele Inhalte begegnen Ihnen im mündlichen Teil wieder, dort aber als Fall. Üben Sie deshalb auch, Antworten laut zu begründen.
- Notfälle als Randthema behandeln: Wer Warnzeichen sicher kennt, punktet schriftlich und mündlich. Mehr dazu im Beitrag Red Flags und Notfälle.
Vom schriftlichen zum mündlichen Teil
Mit dem Bestehen des schriftlichen Teils ist die Überprüfung nicht beendet. Der mündlich-praktische Teil dauert laut Leitlinien höchstens 60 Minuten. Den Vorsitz führt eine Ärztin oder ein Arzt; laut Merkblatt aus Augsburg wirken in der Regel zwei Heilpraktikerinnen oder Heilpraktiker als Beisitzende mit. Dort zählt, ob Sie Fälle strukturiert einschätzen und Ihre Grenzen kennen. Prüfungsfragen helfen auch hier: Nehmen Sie eine Frage, die Sie falsch hatten, und erklären Sie das Thema laut in zwei Minuten, als säßen Sie vor der Kommission. Wie das Gespräch abläuft, lesen Sie im Beitrag Mündliche Heilpraktiker-Prüfung. Und falls es im ersten Anlauf nicht klappt: Die Regeln zur Wiederholung erklärt der Beitrag Heilpraktikerprüfung wiederholen.
Prüfungsfragen bei ARSANIS üben
In der Heilpraktiker-Ausbildung bei ARSANIS gehört das Üben mit Prüfungsfragen von Anfang an dazu: Die Skripte enthalten Lernziele, Merkhilfen und Wiederholungsfragen, dazu kommen regelmäßige Klausuren und schriftliche wie mündliche Prüfungssimulationen. Die Ausbildung läuft im Hybridformat über 26 Monate: dienstags von 18 bis 21 Uhr live online und einmal im Monat an einem Präsenzwochenende in Wuppertal (samstags 10 bis 18 Uhr, sonntags 10 bis 16 Uhr). Eine reine Online-Ausbildung bieten wir bewusst nicht an, weil Untersuchung, Abhören und Injektionstechnik vor Ort geübt werden. Es unterrichten die Heilpraktikerinnen Kirsten Sander und Aline Fiedler. Der Einstieg ist jederzeit möglich, die Module laufen rollierend. Die Erlaubnis selbst erteilt das Gesundheitsamt nach bestandener Überprüfung.
Ihre Dozentinnen
Kirsten Sander
Heilpraktikerin, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Schmerztherapeutin und Darmtrainerin. Mit der doppelten Zulassung zeigt sie, wie Sie körperliche Symptome von psychischen Ursachen sicher abgrenzen.
Aline Fiedler
Heilpraktikerin mit den Schwerpunkten Injektions- und Infusionstechniken und ganzheitliche Frauenheilkunde. Sie vermittelt praxisnahes Skills-Training am Modell, ausgerichtet auf die amtsärztliche Prüfung.
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Häufige Fragen
Wie viele Fragen hat die schriftliche Heilpraktikerprüfung?
Laut Leitlinien des Bundesministeriums für Gesundheit 60 Fragen im Antwort-Wahl-Verfahren, Bearbeitungszeit zwei Stunden. Bestanden ist, wer mindestens drei Viertel richtig beantwortet, also mindestens 45 Fragen.
Gibt es in der Heilpraktikerprüfung Fragen mit mehreren richtigen Antworten?
Ja. Neben Fragen mit einer richtigen Antwort gibt es Mehrfachauswahlfragen. Im Lösungsschlüssel vom 18.03.2026 (Gruppe A) waren es 14 von 60 Fragen. Lesen Sie die Aufgabenstellung genau und kreuzen Sie so viele Antworten an, wie verlangt werden.
Wo finde ich die Lösungen der letzten Heilpraktikerprüfung?
Einige Behörden veröffentlichen nach jedem Termin die Lösungsschlüssel für Gruppe A und B, zum Beispiel das Landratsamt München, das Landratsamt Augsburg und das Niedersächsische Landesamt für Soziales, Jugend und Familie. Veröffentlicht werden die Lösungsbuchstaben, nicht unbedingt die Fragebögen.
Reicht es, alte Prüfungsfragen auswendig zu lernen?
Nein. Zu jedem Termin wird ein eigener Fragebogen herausgegeben, und die Fragen müssen alle Inhaltsbereiche abdecken. Wer Antwortbuchstaben auswendig lernt, scheitert an neuen Formulierungen. Nutzen Sie Fragen als Selbsttest, erklären Sie jede Antwortmöglichkeit und wiederholen Sie Ihre Fehler in Abständen.
Wie viel Zeit habe ich pro Frage?
Für 60 Fragen stehen zwei Stunden zur Verfügung, rechnerisch also zwei Minuten pro Frage. Üben Sie in den letzten Wochen vollständige Durchgänge unter diesen Bedingungen, damit Sie Ihr Tempo kennen.
Prüfungsfragen sind kein Ersatz für Verständnis, aber ein sehr gutes Werkzeug, um es zu prüfen. Wenn Sie zuerst antworten und dann nachschlagen, jede Antwortmöglichkeit erklären, Ihre Fehler protokollieren und in Abständen wiederholen, trainieren Sie genau das, was die schriftliche Überprüfung verlangt: sicheres Wissen aus allen Bereichen, abrufbar in zwei Stunden.






