Genogramm erstellen: Methode der systemischen Beratung

Was ist Systemische Therapie

Das Genogramm gehört zu den bekanntesten Werkzeugen der systemischen Beratung. Auf einem Blatt Papier entsteht ein Bild der Familie über mehrere Generationen: wer zu wem gehört, wer wann geboren und gestorben ist, wo es Trennungen, enge Bindungen oder Konflikte gibt. Was zunächst wie ein Stammbaum aussieht, ist in der Beratung viel mehr: ein Gesprächsanlass, der Muster sichtbar macht, die den Beteiligten oft selbst nicht bewusst sind. In diesem Artikel erklären wir, was ein Genogramm ist, welche Symbole verwendet werden und wie Sie es gemeinsam mit Klientinnen und Klienten erstellen.

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Was ist ein Genogramm?

Ein Genogramm ist eine grafische Darstellung einer Familie über mindestens drei Generationen, mit Angaben zu den Personen und zu ihren Beziehungen untereinander. Bekannt gemacht haben die Methode vor allem Monica McGoldrick und Randy Gerson; ihr Standardwerk ist auf Deutsch unter dem Titel „Genogramme in der Familienberatung“ erschienen, zuletzt in fünfter Auflage 2022. Dort wird das Genogramm als wirksame Methode für die Anfangsphase der Familienberatung beschrieben.

Der Unterschied zum Stammbaum liegt im Zweck. Ein Stammbaum dokumentiert Abstammung. Ein Genogramm fragt danach, wie eine Familie lebt und lebte: Wer steht wem nahe? Wo gibt es Brüche? Welche Themen tauchen in mehreren Generationen auf, etwa frühe Trennungen, Krankheit, Sucht oder bestimmte Berufswege? Und wo steht die Person, die gerade zur Beratung kommt, in diesem Geflecht?

Die wichtigsten Symbole

Was Darstellung
Mann Quadrat
Frau Kreis
Verstorbene Person Symbol mit Kreuz oder Schrägstrich
Ehe oder Partnerschaft waagerechte Linie zwischen den Partnern
Scheidung Partnerlinie mit einem oder zwei Schrägstrichen
Kinder senkrechte Linie von der Partnerlinie nach unten; Geschwister nebeneinander, meist das älteste links
Beziehungsqualität zusätzliche Linien, z. B. mehrfache Linie für enge Bindung, gestrichelte für distanzierte, Zickzack für konflikthafte Beziehungen

Die Darstellung der Beziehungsqualität ist nicht überall einheitlich. Wichtig ist, dass Sie eine Legende anlegen, damit das Genogramm auch später noch lesbar ist. Die ältere Generation steht oben, die jüngere unten. Neben die Symbole schreiben Sie Namen, Geburts- und gegebenenfalls Sterbejahr sowie Stichworte zu Beruf, Krankheiten oder wichtigen Ereignissen.

Ein Genogramm erstellen: Schritt für Schritt

  1. Anlass klären: Wozu soll das Genogramm dienen? Geht es um eine aktuelle Krise, um Fragen der eigenen Herkunft, um ein Thema in der Partnerschaft? Der Anlass bestimmt, worauf Sie besonders achten.
  2. Mit der Person beginnen, die in der Beratung sitzt: Ihre aktuelle Familie oder Partnerschaft zuerst, dann die Eltern, dann die Großeltern.
  3. Struktur einzeichnen: Personen, Partnerschaften, Kinder, Trennungen, Todesfälle, mit Jahreszahlen.
  4. Beziehungen ergänzen: Wer steht sich nahe, wo gibt es Konflikte oder Kontaktabbrüche?
  5. Ereignisse und Themen notieren: Umzüge, Migration, Krankheiten, Berufe, besondere Belastungen.
  6. Gemeinsam betrachten: Treten bestimmte Muster in mehreren Generationen auf? Gibt es wiederkehrende Rollen? Was fällt der Klientin selbst auf?

Das Genogramm entsteht im Gespräch, nicht als Formular. Oft sind gerade die Momente aufschlussreich, in denen jemand zögert, eine Lücke bemerkt oder über eine Person nur wenig sagen kann. Auch das gehört ins Bild.

Hilfreiche Fragen

  • Wer gehört für Sie zur Familie, und wer vielleicht nicht, obwohl er verwandt ist?
  • Wem in der Familie sind Sie am ähnlichsten? Wer würde das auch so sagen?
  • Wie wurde in Ihrer Familie mit Konflikten umgegangen? Gab es Unterschiede zwischen Mutter- und Vaterseite?
  • Welche Themen ziehen sich durch mehrere Generationen?
  • Was würde Ihre Großmutter zu der Situation sagen, in der Sie jetzt sind?

Viele dieser Fragen sind zirkulär: Sie laden ein, die Familie aus der Perspektive anderer zu betrachten. Genau dadurch entstehen neue Sichtweisen, und darum geht es in der systemischen Arbeit.

Worauf Sie achten sollten

  • Behutsam vorgehen: Beim Genogramm kommen schnell belastende Themen zur Sprache, etwa Verluste, Gewalt oder Sucht. Lassen Sie der Person die Kontrolle darüber, was sie erzählt.
  • Keine schnellen Deutungen: Muster sind Hypothesen, keine Diagnosen. Besprechen Sie Ihre Beobachtungen als Fragen, nicht als Feststellungen.
  • Grenzen der Beratung kennen: Zeigen sich Hinweise auf eine psychische Erkrankung, gehört das in heilkundliche oder ärztliche Hände. Systemische Beratung ersetzt keine Psychotherapie.
  • Datenschutz: Ein Genogramm enthält sensible Informationen über Menschen, die nicht im Raum sind. Bewahren Sie es entsprechend sorgfältig auf.

Das Genogramm in der Ausbildung

In unserer Ausbildung in systemischer Beratung und Therapie ist die Genogrammarbeit Teil des Bereichs Diagnostik und Evaluation. Sie üben sie, wie alle Methoden, live in Kleingruppen: Sie erstellen ein Genogramm als Beraterin oder Berater, erleben es als Klientin oder Klient und besprechen anschließend, was die Fragen bewirkt haben. Unterrichtet wird live online an einem Wochenende im Monat. Wie das im Unterschied zu einem Fernkurs abläuft, lesen Sie im Beitrag Systemische Ausbildung: Fernstudium oder live online?

Ihr Dozent

Peter Hoegen, Dozent der Systemischen Online-Ausbildung bei ARSANIS

Peter Hoegen – Ihr Dozent in der Systemischen Online-Ausbildung
Lizentiat in Psychologie, ausgebildet in Systemischer Kurzzeittherapie am renommierten Brief Therapy Center – BTC (ehemals MRI) in Palo Alto, Kalifornien (USA), Postgraduate-Diplom Systemische Paar- und Familientherapie, M.Sc. Klinische Psychologie, Master in systemisch-strategischer Kurzzeittherapie, PhD-Doktorand in Neurowissenschaft und Pädagogik. Er unterrichtet die gesamte Ausbildung selbst – live, mit Fallbeispielen aus seiner Praxis.

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Häufige Fragen

Was ist ein Genogramm?

Ein Genogramm ist eine grafische Darstellung einer Familie über mindestens drei Generationen. Es zeigt nicht nur Verwandtschaft, sondern auch Beziehungen, wichtige Ereignisse und wiederkehrende Themen und wird in der systemischen Beratung als Gesprächsgrundlage genutzt.

Welche Symbole werden im Genogramm verwendet?

Männer werden als Quadrat, Frauen als Kreis dargestellt. Verstorbene erhalten ein Kreuz oder einen Schrägstrich. Partnerschaften sind waagerechte Linien, Scheidungen Partnerlinien mit Schrägstrichen, Kinder hängen an senkrechten Linien darunter. Für die Beziehungsqualität gibt es zusätzliche Linien; eine Legende macht das Genogramm lesbar.

Wie viele Generationen gehören in ein Genogramm?

Üblich sind mindestens drei Generationen: die Person selbst mit Geschwistern und gegebenenfalls Kindern, die Eltern und die Großeltern. Je nach Anlass kann das Genogramm erweitert werden.

Was ist der Unterschied zwischen Genogramm und Stammbaum?

Ein Stammbaum dokumentiert Abstammung. Ein Genogramm zeigt zusätzlich Beziehungen, Konflikte, Brüche und Themen, die sich durch Generationen ziehen, und dient in der Beratung als Ausgangspunkt für Fragen und neue Sichtweisen.

Wo lerne ich die Genogrammarbeit?

In einer systemischen Ausbildung. Bei ARSANIS ist die Genogrammarbeit Teil des Bereichs Diagnostik und Evaluation und wird live online in Kleingruppen geübt.

Ein Genogramm braucht nicht mehr als Papier und Stift. Seine Wirkung entsteht durch die Fragen, die Sie dabei stellen, und durch den Blick, den es auf eine Familie eröffnet. Wenn Sie diese Arbeit lernen möchten, sprechen Sie uns gern an.